Lido di Venezia: Auf den Spuren von Thomas Mann

"Ich will also bleiben, dachte Aschenbach. Wo wäre es besser? Und die Hände im Schoß gefaltet, ließ er seine Augen sich in den Weiten des Meeres verlieren, seinen Blick entgleiten, verschwimmen, sich brechen im eintönigen Dunst der Raumeswüste". (Thomas Mann, Der Tod in Venedig)

Wie ein gestrandetes Schiff liegt das im Jahr 1900 für das gehobene Bürgertum eröffnete Grand Hotel Des Bains mitten in einem Park. Die Fensterläden sind geschlossen und es strahlt einen etwas unheimlichen Charme aus. Nichts erinnert mehr an den ehemaligen Glanz des Komplexes, in dem sich der Protagonist von Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" in den Jungen Tadzio verliebte. Auch Thomas Mann war selbst häufig Gast im Des Bains, Weltruhm erlangte es schließlich durch Luchino Viscontis Verfilmung der Novelle. Zum Frühstück trank man Tee oder Kaffee aus edlen Silberkannen, anschließend genoss man das milde Klima in den komfortablen Korbsesseln auf der Hotelterrasse. Man las, drehte im Swimmingpool seine Runden oder entspannte am hoteleigenen Strand. Aber nicht nur Aschenbach verlor am Lido in Venedig sein Herz, sondern auch Thomas Mann selbst: nämlich an den jungen Baron Wladyslaw Moes. 

Rund um das Hotel verläuft eine Mauer, fast so, als würde man dieses einst so beliebte Prunkstück unter Verschluss halten und beschützen wollen. Lange stehe ich davor, versuche mir das erhebende Gefühl vorzustellen, das man hatte, wenn man hier residieren konnte und mache Fotos, versuche traumverlorene Bilder an die "belle epoque" einzufangen, so lange, bis die Sonne mich träge macht und ich den verflogenen Prunk hinter mir lasse und den Weg zum Strand suche.

Lido di Venezia aufgelistet:

  • Alberoni: Dieser Strand liegt am Südende des Lido und ist günstiger als die anderen Strände. Erreichen könnt ihr ihn mit der Buslinie 11 von Santa Maria Elisabetta aus.
  • Mietet euch ein Rad und erkundet damit die Umgebung.
  • Jüdischer Friedhof: Der Cimitero Ebraico befindet sich südlich des Flughafens. Hier wurden viele Juden aus dem Ghetto begraben.
  • Palazzo del Cinema: Anfang September findet am Lido alljährlich das weltweit älteste Filmfestival mit vielen Stars und Wettbewerbsfilmen statt. 
  • Vom Lido aus gelangt ihr auch auf die Insel Pellestrina. Die idyllische Insel ist von sogenannten Murazzi (begehbaren Steinmauern) umgeben, sehr bekannt ist auch das Restaurant "Ai Pescatori", in dem es köstliche Fischgerichte gibt.

Lesefutter*:

Thomas Mann: Der Tod in Venedig. Der Schriftsteller Gustav Aschenbach entdeckt am Lido den schönen Knaben Tadzio und steigert sich in eine Liebe, die unerfüllt bleibt, hinein.

Klaus Thiele-Dormann: Venedig: Literarische Streifzüge. Die Lagunenstadt zieht seit vielen Jahrhunderten Schriftsteller in ihren Bann, die immer wieder neue Facetten an ihr entdeckt haben. 

Jürgen K. Hultenreich und Angelika Fischer: Venedig: Eine literarische Zeitreise. Die beiden Autoren folgen den Spuren unterschiedlichster Dichter und besuchen Gassen, Kirchen und Paläste.

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