Momente: Almrauschen im Kopf

"Halten Sie sich eine Muschel ans Ohr, hören Sie dann das Meer rauschen? - Ich höre nur ein dumpfes, leises Grollen, das wohl kaum meine Sehnsucht nach peitschenden Wellen stillt. Dieser Sommer hatte aber eine Lektion für mich übrig. Auf einem Almurlaub nahe meiner Haustür habe ich begriffen, dass es nicht die laute Gischt braucht. Meist ist es das Leise, das der Seele Nahrung gibt. Tage ohne Uhr, ohne Pflicht. Nur Herzensstunden und Sterne schauen. Aufstehen mit dem Gefühl "ich muss nicht", Kaffeetrinken bis in die Unendlichkeit, dem knisternden Feuer lauschen.

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Momente: Vom Gehen

*Geht es? Wie geht es? Was geht? Geht was? Auf geht´s! Geht ab! Geht prima. Geht abwärts. Geht nicht mehr. Geht kaputt. Nix geht. Geht verloren. Geht sich aus. Ist ausgegangen. Geht auf den Senkel. Geht durch und durch. Geht gar nicht. Geht´s noch? Geht so weiter. Wie lang geht das noch? Wie soll es denn gehen? Kann es gehen? Geh´- so viele Geh-Worte. Und mit diesen Worten ist noch nicht einmal ein einziger Schritt gegangen. Wie kann das gehen?* (Bertram Weisshaar: Einfach losgehen: Vom Spazieren, Streunen, Wandern und vom Denkengehen)

Momente: Die Sache mit dem Ich

"Ich habe nichts gegen das Reisen, im Gegenteil. Ein junger Mensch soll sich umsehen in der Welt, damit er seinen Platz findet. Das Reisen an sich darf nie aufhören, sonst fällt der Mensch in den Stillstand, das Ziel seiner Reisen aber muss sich ändern.

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Momente: Ich versommere.

"Ab April werden Spaziergänge mit mir zu langwierigen Angelegenheiten, denn ich rieche verloren an jeder Blume, rieche an jeder Blüte, stecke meinen Kopf in jede Dolde, bis meine Begleitung mit einem Blick auf die Uhr fürchtet, dass es nicht nur Bestäubung durch Wind und Tier gibt, aber auch durch Frauennasenspitzen. Ich versommere.

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Momente: Rabiate Sommersehnsucht

"Ich leide ganzjährig an einer immerwährenden rabiaten Sommersehnsucht, die selbst, wenn sie sich erfüllt, nicht kleiner wird. Ich werde unbescheiden. Ich habe nie genug von ihm. Den ganzen Winter warte ich auf den Sommer, seine langen, hellen Tage, die altmodische Hitze, in der sich die Stunden dehnen und man leichter an die Unendlichkeit denkt.

 

 

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Strandleben. Eine Momentaufnahme

Ein Sonntag. Am Himmel türmen sich die Wolken, die Sonne hat sich verkrochen. Ein wenig Abkühlung im Vergleich zu den schweißtreibenden Tage davor. Die Kaffeehäuser sind gut gefüllt. Aus einem Restaurant strömt der Geruch von Knoblauch. Shops bieten Badeanzüge mit floralen Prints und Sonnenhüte an. Viele Verkäuferinnen warten auf Kundschaft, um ihre Sale-Artikel loszuwerden.

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Momente: Nach Innen reisen

Mein sogenanntes "Paradies" ist auf jeden Fall ein Ort in mir. Der Ausgangspunkt schlechthin. Wenn´s dort nicht stimmt, dann stimmt es nirgendwo. Denn erst, wenn ich dort vor Anker liege und mich "geerdet" habe, sprich "runtergekommen" bin, wird das geografische "Paradies" bestimmt. Ich erlaube mir das "Runterkommen" ganz einfach. Das ist ein wesentlicher Entscheid, und diesen zu treffen, hat bei mir lange gedauert. Mir regelmäßig diese Zeit für mich zu nehmen bzw. das halbwegs hinzubekommen, hat mir einiges an Lebensqualität gebracht. Regelmäßig in der Natur unterwegs sein. Mit dem Rad oder zu Fuß. Auch das hilft mir dabei erheblich. Sehr oft alleine oder ausschließlich mit mir lieben und teuren Menschen. Und je nachdem, welche der dann mehr oder weniger "geerdeten" Persönlichkeiten, die in meiner Brust schlummern, die Oberhand hat, ist dieses geografische "Paradies" also ein sehr stimmungsabhängiger Ort. Und dieser kann genauso gut eine Blumenwiese sein wie auch ein Kinosaal oder eine Strandbar, ein Ausflug mit dem Motorroller auf die Weinstraße, eine Konzerthalle oder eine Buschenschank etc. Die Möglichkeiten sind ja unbegrenzt. Aber halt nur gut, wenn´s innen stimmt.

("Sir" Oliver Mally, gefunden in der Kleinen Zeitung vom 13. September 2017)

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Momente: Den Augenblick feiern

In einem Interview mit dem Online-Magazin Chrismon sagt Roger Willemsen, den ich so sehr mag: "Ich will Daseinsfülle festhalten, ich will Bewusstheit steigern. Dazu gehört beispielsweise, dass ich nicht drei Informationen gleichzeitig verfolge: schreiben, Musik hören und parallel Mails checken - das mache ich nicht. Ich besitze auch kein Handy. Ich versuche, dass alles, was ich tue, meine ganze Bewusstheit und Aufmerksamkeit hat: Man kann sich im Wortsinne vergegenwärtigen - man kann sich in die Gegenwart holen. Die Feier des Augenblicks ist der Versuch, der Erde verhaftet zu bleiben. Ich zitiere gern den Satz von Colette, die gegen Ende ihres Lebens sagte: "Eigentlich hatte ich ein wunderschönes Leben, leider habe ich es zu spät gemerkt." Ich will es rechtzeitig merken."

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