Zu sich selbst finden - Die Medizinwanderung

"Nur die Naturdinge sind ganz wahr. Um was man sie vernünftig bittet, das beantworten sie vernünftig." (Adalbert Stifter)

Die Medizinwanderung gehört bei den indianischen Naturvölkern zur Visionssuche, bei der man sich als Teil der Natur erlebt. Die Naturvölker sind davon überzeugt, dass auch Steine, Bäume und Pflanzen eine Seele besitzen und dass die Natur als Spiegel fungiert, der uns zeigt, was uns bewegt und was uns gerade beschäftigt. Auf einer Medizinwanderung begegnest du Tieren, Bäumen und Pflanzen, einige davon werden dich sofort anziehen, von anderen wirst du eher abgestoßen werden. Durch das Spüren der Elemente können wir Informationen auf bewusste, aber auch auf unbewusste Weise aufnehmen und uns selbst näherkommen. Daher ist eine Medizinwanderung auch ein sehr intensives Erlebnis, da wir dabei nicht nur lernen, die Sprache der Natur zu verstehen, sondern uns auch mit uns selbst und unseren Mustern auseinandersetzen müssen. Die Natur ist unsere größte Lehrmeisterin, die uns neue Ideen schenkt und unseren Körper, unseren Geist und unsere Seele berührt.  

Wie läuft eine Medizinwanderung ab?

Eine Medizinwanderung ist ein bewusster Naturaufenthalt, der dich dabei unterstützen kann, dich mit einem Thema zu beschäftigen, dass über den Verstand nicht lösbar zu sein scheint. Der Begriff „Medizin“ wird dabei im Sinne von Weisheit gebraucht. Man begibt sich sozusagen in eine andere Welt und folgt auch bestimmten Regeln: Zunächst wird eine Schwelle (z.B. ein Bach oder ein Stock) überschritten, man hat kein Essen mit dabei, keine Begleitung und verfügt auch über kein Obdach. Während der Wanderung vertraut man sich den Zeichen der Natur an, bleibt an Plätzen stehen, zu denen man sich hingezogen fühlt und die zum Verweilen einladen. Die Rückkehr erfolgt wieder über eine Schwelle, die aber nicht zwingend die gleiche sein muss. Dadurch kann das Ritual einen Abschluss finden. Anschließend berichtet man über das Erlebte oder kann seine Erfahrung auch aufschreiben, um die Antworten auf das ursprüngliche Thema dann auch im Alltag umsetzen zu können. Eine Medizinwanderung eignet sich sehr gut für den Beginn eines neuen Lebensabschnittes, bei Konflikten oder schwierigen Beziehungen, zur Entscheidungsfindung, aber auch zur Stärkung der Selbstliebe und Selbstwahrnehmung. Außerdem kann dich die Wanderung dabei unterstützen, dich im Leben zu erden oder einfach eine Ruheoase im sonst eher lauten Alltag zu finden.  

Mögliche Fragestellungen

Jennie Appel beschreibt in ihrem Buch „Wer wachsen will, braucht starke Wurzeln“ einige mögliche Fragestellungen für eine Medizinwanderung, die als Anregung dienen können:

 

Wie kann ich wieder Zugang zu mir selbst bzw. der Welt bekommen?

 

Diese Frage sollte als erste gewählt werden, um sich auf Botschaften aus der Natur einlassen zu können. Kommt man im Rahmen der Wanderung dann beispielsweise bei weißen Birken vorbei, so kann dies darauf hindeuten, dass man die Kraft des Anfangs wieder neu schätzen lernen darf, da die Birke für Neuanfänge steht.

 

Wie kann ich mein Leben neu ausrichten?

 

 

Manchmal kommen wir an einen Punkt, wo wir wissen, dass wir etwas in unserem Leben ändern müssen. Allerdings haben wir keine Ahnung, wie und auf welche Weise wir beginnen können. Wenn uns im Rahmen einer Wanderung dann beispielsweise ein Eichhörnchen begegnet, so bedeutet dies, dass man zunächst einmal gut für sich selbst sorgen sollte.

 

Was braucht mein Körper, um heil zu werden?

 

Viele von uns leiden an Erschöpfungszuständen und auch hier kann eine Antwort der Natur sehr hilfreich sein. Kommt man zum Beispiel an Brennnesseln vorbei, so möchte dir die Natur vielleicht mitteilen, dass eine Reinigungskur für dich ansteht.  

Lesestoff*:

Jennie Appel: Wer wachsen will, braucht starke Wurzeln. In unserer oftmals sehr hektischen Zeit fühlen sich viele von uns entwurzelt. Die Autorin zeigt, wie man in Momenten von Belastung, Stress oder Trauer Kraft in der Natur finden kann.

 

Volker Peters: Kraftrituale in der Natur. Veränderungen meistern, Krisen bewältigen, Erfolge feiern. Der Naturcoach Volker Peters stellt in seinem Buch Kraftrituale vor, die vor allem auf indigenes Wissen zurückgehen.

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Fotos: Pixabay/Johannes Plenio/Myriam Zilles/Woong Hoe/Candice Candice