Lignano - Ferienort der Kindheit revisited

Man ist ja erstaunlich gut darin, Dinge zu vergessen. Ich beispielsweise vergesse Geburtstage und Namen. Ich kann mir nicht merken, wo ich mein Auto abgestellt habe, und ich muss mir Termine notieren, denn sonst sind sie wie Eintagsfliegen - wenn ich sie nicht aufschreibe, dann sind sie so schnell verschwunden, als wären sie aus flüchtigem Nebel gemacht. Was mir allerdings bleibt - unauslöschlich - sind die Urlaubsorte der Kindheit. Diese Orte graben sich ein. Nicht unbedingt mit Details, aber mit Gefühlen. Mit Gerüchen, Geräuschen, einem Licht, das man nie wieder genauso sieht.

Bei mir war es Lignano. Jedes Jahr. Immer wieder. Und jedes Mal fühlte es sich an wie ein Heimkommen zu einer Version von mir selbst, die sorgloser war und barfuß. Ich erinnere mich an riesige Kühltaschen, die bis zum Rand mit Wassermelonen, Weintrauben und Panini gefüllt waren - die Mortadella manchmal ein wenig zu großzügig bemessen. An ein orangefarbenes Schlauchboot, das wir stolz durch die heißen Straßen schleppten wie ein Relikt aus einem besseren Leben. Und an das winzigste Zimmer der Welt, dessen Fenster sich nicht öffnen ließ und in dem man immer das Meer hörte, aber nie sah. Die Unterkunft trug den Namen Villa Cecilia, der in meinen Ohren noch immer klingt wie ein Versprechen aus einem italienischen Schlager der 60er.

Ich erinnere mich an leuchtende Augen vor riesigen Eisvitrinen - jeden Abend dieselbe Qual der Wahl. An Einkaufsstraßen mit blinkenden Leuchtreklamen, an Spielhallen mit flackernden Automaten, an Sonnenbrände, die wir mit Joghurt bekämpften, und an Sandburgen, die jedes Jahr einer neuen Idee folgten: einmal war es das Kolosseum, ein anderes Mal die Titanic inklusive Eisberg.

Und dann war da das Piratenschiff - aus heutiger Sicht ein rustikales Touristenboot - das uns zur sagenumwobenen Muschelinsel brachte. Dort sammelten wir Muscheln, die zuhause immer kleiner aussahen als am Strand, und einmal, ich erinnere mich genau, verloren wir unseren Eimer und glaubten, ein ganzer Urlaub wäre damit ausgelöscht.

 

Ich erinnere mich an riesige überladene Pizzen, an kartenspielende Eltern mit sonnenverbrannten Armen, an den Kokosnussverkäufer, dessen "Cocco bello" wie ein Glockenklang durch die Mittagsstunden hallte. Und an die Strandverkäufer, die mit stoischer Geduld ihre bunten Tücher und flimmernden Uhren ausbreiteten, als wären sie Boten aus einer anderen Welt.

 

Heute bin ich wieder hier, in Lignano, und spüre, dass sich manchen verändert hat - und manches gar nicht. Die Straßen sind breiter geworden, die Musik lauter, die Menschen internationaler. Aber da ist noch immer dieser Geruch nach Pinien, Sonnencreme und salziger Haut. Noch immer sitzt irgendwo ein Kind mit einem Eis in der Hand, das genauso konzentriert darauf achtet, dass nichts schmilzt, wie ich damals.

 

Reisen bildet, sagt man. Vielleicht. Aber aus den Kindheitsurlauben bildet sich ein Herz. Sie legen einen weichen Kern in uns an, der bleibt, selbst wenn alles andere längst vergangen ist.

  

P.S. Im Ohr: Ziggy Alberts/Bright Lights

 

(Aus meinem Buch: Lieber A.! Reisebriefe und Gedankenflüge. Von Sehnsucht, Stille und der Kunst des Unterwegsseins)

Lignano aufgelistet:

  • Steht schon lange auf meiner Liste: Einmal hier übernachten.
  • Mit dem öffentlichen Bus kann man auch in den Parco Zoo Punta Verde fahren, wo mehr als 1000 Tiere bestaunt werden können.
  • Sehr bekannt natürlich auch der Aquasplash-Wasserpark sowie das Gulliverlandia, wo Dinosaurier-Fans voll auf ihre Kosten kommen.
  • Und dann natürlich der Lunapark mit seinen Achterbahnen, Karussells und Süßwaren, den es bereits in meiner Kindheit gab.
  • Auch der Schriftsteller Ernest Hemingway verbrachte mehrere Male seinen Urlaub in Lignano. Heute erinnert noch der Hemingway-Park, der in Lignano Pineta zu finden ist, an den bekannten Besucher.
  • Außerdem könnt ihr auch den alten Fischerhütten, den sogenannten Casoni, einen Besuch abstatten.
  • Und dann natürlich auf der Terraza a Mare spazieren, die sich in Form einer Muschel zum Meer hin öffnet.

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