Vom Wesen der Bäume

"Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche sich aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen." (Hermann Hesse: Bäume)

Bäume sind uns Menschen sehr ähnlich. Das Licht der Sonne gibt ihnen Wärme und Kraft, das Wasser und die Erde geben ihnen Nahrung und den Atem für ihr Leben erhalten sie durch die Luft. Auch die Jahreszeiten spiegeln sich in den Bäumen sehr gut wider: Man erkennt an ihnen die Stille der Wintermonate, das Erwachen der Natur im Frühling, die Fülle, die uns der Sommer bringt, und die Farbenpracht des Herbstes. Bäume sind geduldig und stabil und können uns als Vorbild dienen. Seine Individualität erhält der Baum durch seine Nadeln oder Blätter, seine Form und seine Rinde. Aber nicht nur das Äußere ist sehr berührend, auch sein inneres Wesen übt eine große Faszination aus. Früher waren Bäume Orte, in denen die Götter wohnten und sie galten als Symbol für das Leben. Nicht zu vergessen natürlich ihre heilende Wirkung, die wir durch ein Waldbad oder durch Tinkturen bzw. Essenzen erfahren können.

Verschiedene Baumcharaktere

Man unterscheidet unterschiedliche Archetypen bzw. Baumcharaktere, die auch für verschiedene Eigenschaften stehen.

 

Laubbäume: Bieten Geborgenheit und Schutz, symbolisieren aber auch den Wandel der Zeit.

Nadelbäume: Stehen für Beständigkeit und Zielgerichtetheit

Birke: Luft, Leichtigkeit, Beweglichkeit

Eiche: Stabilität, Beständigkeit, Erde, Kraft

Lärche: Leichtigkeit, Zartheit

Weide: Lebenskraft, Vitalität

Buche: Geborgenheit, Wärme

Trauerweide: Melancholie

Bäume und ihre Aufgabe

Im Seelenfeld der Erde kommt jedem Baum eine spezielle Aufgabe zu. So kann man zum Beispiel zwischen Vater- und Mutterbäumen unterscheiden, die sehr charaktervolle und alte Bäume sind und Verantwortung für die jüngeren Bäume tragen. Tor- oder Eingangsbäume markieren einen Übergang von einem Raum zu einem anderen und sie fordern uns auf innezuhalten, bevor dieser neue Raum betreten wird. Ein Hüterbaum oder Wächter betreut und behütet einen Ort. Sie bewahren besondere Raumqualitäten und tragen oftmals auch Schlüsselinformationen. Darüber hinaus teilen Elementarwesen ihren Standort oftmals mit einem Baum. Dazu zählen beispielsweise Engelplätze oder höher entwickelte Erdzentren. Zudem können Bäume auch Orte, die seelisch belastet sind, reinigen und unerlöste Energien transformieren.

Übung aus dem Naturcoaching

Eine sehr schöne Übung in der Natur ist es, einen Baum zum Anlehnen oder Wohlfühlen zu finden. Blicke dich dabei in der Landschaft um und suche dir einen Baum, der dich anspricht. Informiere dich dann auch, welche Bedeutung diesem Baum zukommt und welches Thema er repräsentiert. Nimm dann zum Baum auf deine ganze eigene Art und Weise Kontakt auf. Betrachte ihn zum Beispiel von allen Seiten oder lehne dich an ihn. Lasse dann in Gedanken deine eigenen Wurzeln in die Erde wachsen und verbinde dich mit ihr und deinem ausgewählten Baum. Sei offen dafür, was er dir für eine Botschaft mitgeben möchte. Genieße die Stille und Geborgenheit und spüre, was du alles nächstes in deinem Leben machen solltest. 

Lesestoff*:

Wolf-Dieter Storl und Rebecca Kunz: Unsere fünf heiligen Bäume: Meditieren und heil werden in der Natur. 

 

Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren. 

 

Carsten Kiehne: Bäume - heilig & heilsam: in Sagen, Mythen & Brauchtum.