Märchenhaftes Bodental

 Es beginnt wie so oft mit einem Wanderparkplatz. Diese seltsamen Kulissen des Übergangs, an denen der Mensch das Auto abstellt und dafür seine Erwartungen mitnimmt. Der Weg windet sich durch ein Stück kärntnerisches Idyll, das den Eindruck erweckt, es sei extra für eine Versicherungskampagne entworfen worden. Kühle blicken mich an wie Passanten in einem Pariser Straßencafè - freundlich, aber eindeutig in der Rolle des Beobachters. Ich vermute, sie bewerten meine Ausrüstung.

 

 

Das idyllische Bodental
Das idyllische Bodental

Wunderbares Meerauge

Und dann - plötzlich, fast schamhaft - das Meerauge. Ein kleiner See, so ruhig, dass man sich automatisch leiser bewegt, als hätte man aus Versehen einen geheimen Ort betreten. Ein Ort, der nicht gefunden, sondern übersehen werden möchte. Es schimmert in einem Blau, das irgendwo zwischen Karibik und Tintenfass liegt. Ein See, der aussieht, als hätte ihn jemand aus Versehen in Kärnten vergessen, weil er eigentlich in einem Märchen vorgesehen war. Die Legende sagt, er sei bodenlos. Ich sage: Er ist bodenlos charmant. 

Sehr beeindruckend: Das Meerauge
Sehr beeindruckend: Das Meerauge

Kärntens schönste Bergwiese

Eine halbe Stunde später: die Märchenwiese. Und ja, sie heißt wirklich so. Ich hatte befürchtet, sie sei ein Marketingprodukt, irgendwo zwischen Kinderwanderweg und Instagram-Hotspot. Doch da liegt sie - weit, still, mit einem Hauch von "Dornröschen ist gleich wieder da". Zwischen Blumen und Bergen ist Platz genug für jeden Gedanken, auch für die albernen.

 

Hier ist alles etwas zu perfekt, als dass man es ernst nehmen könnte - und gerade deshalb meint es das Leben hier vermutlich sehr ernst mit einem. Die Stille ist nicht leer, sie ist gefüllt mit allem, was sonst keinen Platz findet: Kindheit, Zweifel, Witz. Ein Ort, der einen nicht verändert, sondern daran erinnert, wer man vorher schon war. 

 

Auf dem Rückweg fühle ich mich ein bisschen wie jemand, der in einer Fußnote des Lebens etwas Entscheidendes gelesen hat. Vielleicht war es nur ein Ausflug. Vielleicht war es aber auch eine kleine Versöhnung mit der Welt. Und mit der eigenen Ungeduld.

 

Denn wenn das Meerauge einem etwas beibringt, dann dies: Man muss nicht alles verstehen. Manchmal reicht es, wenn man kurz innehält, nicht stört - und wieder geht. 

Romantische Märchenwiese
Romantische Märchenwiese

Wanderinfo

Startpunkt: Gasthof Sereinig

Weglänge: ca. 8 km hin und retour, sehr gemütlich und familienfreundlich

Dauer: rund zwei Stunden (inklusive Fotopausen, Staunen und Sinnkrisen)

Highlights unterwegs:

  • Das Meerauge: türkisfarbenes, kreisrundes Naturphänomen
  • Die Märchenwiese: Almwiese mit Panorama, ideal zum Verweilen, Jausnen oder Nachdenken über das Leben

Beste Zeit: Mai bis Oktober (besonders zauberhaft im Frühsommer, wenn die Wiese blüht)

Mitnehmen: Kamera (fürs Meerauge und die restliche prachtvolle Naturkulisse), Decke (für eine philosophische Pause auf der Märchenwiese), Respekt vor der Stille (sie war zuerst da)

 

Für Abenteuerlustige: Der Weg lässt sich verlängern - etwa zur Klagenfurter Hütte. Aber Vorsicht: Märchenhafte Orte haben die Tendenz, einen festzuhalten.

Lesefutter:


Weil zum Bodental Märchen sehr gut passen, diese Buchempfehlungen:

Die Geschichtenerzählerin: Märchen und Fabeln für Erwachsene von Marika Krücken. Weil auch Erwachsene manchmal in die Welt der Fantasie eintauchen müssen.
Sei einfach und du wirst: Ein Erkenntnis-Märchen für Erwachsene von Susanna M. Farkas. Der Esel Vincent führt uns hier durch viele Höhen und Tiefen.


Und dazu gibt es diese Musik, weil man an diesem wunderbaren Ort ganz still wird und den Kopf freibekommt....und weil es momentan bei mir in Endlosschleife läuft:)