"Slow motion statt high speed": Slow Trails in Kärnten

"Viele von uns kennen auch Zeiterfahrungen der angenehmen Langsamkeit. Im Urlaub beispielsweise wollen wir nicht ständig Zeit gewinnen, sondern verlieren sie, verlieren uns in der Zeit, vielleicht im Spiel, im bloßen Schauen, im kulturellen Genuss, vielleicht in einem anregenden Gespräch...Wir empfinden und dann lebendig und schauen auf die Dinge anders als im Alltag. Der Augenblick, die Qualität, die Tiefe des Erlebten und nicht die Quantität zählt in solchen Momenten." (Aus: Winfried Hille: Slow. Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben)

Slow Trails Kärnten

Bei den Slow Trails in Kärnten handelt es sich um entspannte Wege, auf denen man nicht mehr als 300 Höhenmeter bewältigen muss und die nie länger als zehn Kilometer sind, sodass man nicht mehr als rund drei Stunden unterwegs ist. Da viele Slow Trails außerdem an Seen entlangführen, kann man sich in der warmen Jahreszeit auch eine Abkühlung gönnen. Jeder Trail hat dabei seinen ganz individuellen Charakter, einmal ganz mystisch, dann wieder mit spannenden architektonischen Elementen. Auf jedem der Trails taucht ihr aber auf alle Fälle in pittoreske Landschaften ein, zahlreiche Rastplätze, Liegen oder Bänke laden zudem zum Entspannen ein.

Slow Trail Wernberg

Direkt beim Kloster Wernberg startet dieser Slow Trail, der dann vorbei an zwei Teichen zur Drauschleife Wernberg führt. Diese wurde in den 1970er Jahren aufgestaut, um auf diese Weise die Artenvielfalt zu ermöglichen. Seither ist das Stillgewässer ein wichtiger Lebensraum für Brutvögel sowie durchziehende Vogelarten. Mittlerweile konnte man an der Drauschleife mehr als 127 Arten nachweisen, sodass sie zu einem der wichtigsten Vogelgebiete in Kärnten gehört. So finden hier beispielsweise Silberreiher, Zwergstrandläufer, Bruchwasserläufer, Kolbenenten oder Sumpfrohrsänger einen Brut- bzw. Rastplatz.

 

Länge: 2,6 Kilometer

Dauer: 0:50 h

Höhenmeter: bergauf 150 hm, bergab 49 hm

Schwierigkeit: leicht

Slow Trail Wernberg: Blick auf die Drau
Slow Trail Wernberg: Blick auf die Drau
Interessante Baumwesen am Weg
Interessante Baumwesen am Weg

Video zum Slow Trail Wernberg

Slow Trail Bleistätter Moor

Der Slow Trail Bleistätter Moor führt euch durch das bezaubernde Landschafts- und Naturschutzgebiet der Tiebelmündung und er bietet einen äußerst interessanten Einblick in den Lebensraum unterschiedlichster Vogelarten, Fledermäusen bzw. Schmetterlingen. Ausgangspunkt der Tour ist in Höhe des sogenannten Domenig Hauses, von wo es dann weiter zur Schiffsanlegestelle Steindorf bis zum Strand- bzw. Dammweg geht. Dort geht die Asphaltstraße dann auch in einen gemütlichen Spaziergang über und ihr könnt von den zwei Aussichtstürmen den Blick auf den Ossiacher See genießen. Zu jeder Jahreszeit absolut empfehlenswert!

 

Strecke: 7,1 km

Dauer: 2 Stunden

Höhenmeter: 12

Slow Trail Bleistätter Moor: Traumhaft schön - vor allem bei Sonnenuntergang
Slow Trail Bleistätter Moor: Traumhaft schön - vor allem bei Sonnenuntergang

Video zum Slow Trail Bleistätter Moor

Slow Trail Afritzer See

Ebenfalls sehr idyllisch ist der Slow Trail Afritzer See, auf dem ihr durch ein artenreiches Landschaftsschutzgebiet entlang des Afritzer Sees wandert, der zwischen dem Wöllaner Nock und dem Mirnock eingebettet ist und 15 unterschiedlichen Fischarten einen Lebensraum bietet. Der Trail startet beim Strandbad Afritzer See, anschließend geht es weiter durch den Seepark in die Seestraße, die dann zu einer Forststraße führt. Von dort aus geht es mit traumhaftem Panorama bis ans nördliche Ufer und ihr gelangt dann über einen Holzsteg ans Ostufer und zurück zum Ausgangspunkt. 

 

Strecke: 4,6 km

Dauer: 75 Minuten

Höhenmeter: 39

Traumhaft schön: Der Afritzer See in Kärnten
Traumhaft schön: Der Afritzer See in Kärnten
Besonders empfehlenswert ist der Slow Trail Afritzer See im Frühling
Besonders empfehlenswert ist der Slow Trail Afritzer See im Frühling

Video zum Slow Trail Afritzer See

Slow Trail "Yoga-Weg"

"Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Aktivitäten des Geistes", hat der indische Weisheitslehrer Patanjalis bereits vor mehr als 1500 Jahren gesagt. Yoga kann als eine Reise zum Mittelpunkt des Selbst verstanden werden, die vor allem viel Achtsamkeit erfordert. In unserer heutigen technologisierten Zeit beschäftigen wir uns aber intensiv mit Computerspielen oder Smartphones, wodurch unser Gehirn daran gewöhnt wird, dass Aufmerksamkeit immer an einen Reiz gekoppelt ist. Bleibt dieser Reiz aus, so werden wir unruhig und langweilen uns. Mithilfe von Yoga können wir aber wieder in einen Zustand gelangen, der von Klarheit und Unmittelbarkeit gekennzeichnet ist, wodurch wir lernen zu verstehen, wer wir im tiefsten Wesenskern tatsächlich sind. 

 

 

Wer sich selbst etwas Innenzeit schenken möchte, kann dies beispielsweise in Velden am Wörthersee tun, wo der Slow Trail "Yoga-Weg" startet, der euch durch den sogenannten Teufelsgraben führt und auf dem die Übungen zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Tritt man durch das alte Viadukt, so hat man das Gefühl, in eine andere Welt, einen bezaubernden Naturraum, einzutauchen: Die Bäume bewegen sich sanft im Wind, die Aufmerksamkeit richtet sich auf die unzähligen Grüntöne, von denen man dort umgeben ist, und all das wird vom Plätschern des Wassers begleitet. 

 

Der Yoga-Weg bietet euch die Abfolge einer ganz klassischen Yogastunde mit Achtsamkeits-, Atem- und Körperübungen, diese werden auf Schautafeln genau beschrieben, sodass ihr euch sofort den sanften Bewegungen hingeben könnt. Gleichzeitig könnt ihr aber auch den gegenwärtigen Augenblick spüren und genießen. 

 

Slow Trail - Yoga-Weg

 

Schwierigkeit: leicht

Länge: 3 Kilometer

Dauer: 70 Minuten

Der Slow Trail "Yoga-Weg" beginnt im Zentrum von Velden am Wörthersee
Der Slow Trail "Yoga-Weg" beginnt im Zentrum von Velden am Wörthersee
Durch das Viadukt betritt man einen bezaubernden Naturraum
Durch das Viadukt betritt man einen bezaubernden Naturraum

Von einem Ort, der nicht eilt. Am Slow Trail Maltschacher See

Schöne Aus- und Einblicke: Am Slow Trail Maltschacher See
Schöne Aus- und Einblicke: Am Slow Trail Maltschacher See

Der Weg vor mir trägt den Namen "Slow Trail", und wie zur Bestätigung zieht ein Vogel seine Kreise über dem Wasser, als wüsste er, dass Geschwindigkeit nicht das Maß aller Dinge ist. 

 

Der Slow Trail Maltschacher See ist kaum vier Kilometer lang - doch man hat das Gefühl, als würde sich die Zeit hier ausdehnen und entfalten. In einer Welt, die sich permanent selbst überholt, will dieser Weg nichts anderes, als dass man bleibt. Bei sich. Bei der Landschaft. Bei dem, was sonst im Rausch des Alltags verklingt. 

 

"Wie fühlt sich Stille an?" steht auf einer Tafel. Ich lausche. Nicht nur den Naturgeräuschen, sondern auch dem eigenen Herzschlag, der nicht mehr gegen die Welt kämpft, sondern mit ihr geht.

 

Der Slow Trail ist ein Weg ohne viele Sensationen, aber voller Sinnlichkeit. Ohne Gipfel, aber mit Ausblicken, die gleichzeitig ins Innere führen. Roger Willemsen hat einmal gesagt, dass das Unterwegssein das Einverständnis mit dem Augenblick sei. Und genau das ist der Slow Trail: kein Ziel, sondern ein Einverständnis. Am Ende des Weges bin ich einfach da. Und vielleicht ist das auch die größte Erkenntnis dieser Wanderung. 

 

Slow Trail Maltschacher See:

 

Schwierigkeit: leicht

Länge: etwa 4 Kilometer

Dauer: 90 Minuten

Unterwegs am Slow Trail Pressegger See

Der Morgen am Pressegger See beginnt leise. Ein dünner Schleier aus Nebel liegt über dem Wasser, als hätte die Landschaft noch nicht ganz entschieden, ob sie schon wach sein will. Die ersten Sonnenstrahlen tasten sich vorsichtig durch die Bäume, spiegeln sich auf der glatten Oberfläche des Sees und lassen ihn für einen Moment wie flüssiges Gold wirken.

 

Der Slow Trail rund um den See macht seinem Namen alle Ehre. Hier geht es nicht ums Ankommen, sondern ums Unterwegssein. Schon nach den ersten Schritten verlangsamt sich der eigene Rhythmus fast automatisch. Der Weg ist gut angelegt, sanft geschwungen, und führt immer wieder nah ans Wasser heran, dann wieder durch schattige Abschnitte mit Schilf und Bäumen.

 

Man hört mehr, als man sieht: das leise Rascheln im Unterholz, das entfernte Plätschern kleiner Wellen, das rhythmische Zirpen der Grillen. Dazwischen das gelegentliche Rufen eines Vogels, das sich über den See trägt und irgendwo auf der anderen Seite verhallt. Es ist diese Mischung aus Stille und Naturklang, die den Trail besonders macht.

 

An einer der vielen kleinen Buchten bleiben wir stehen. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann. Kleine Fische ziehen in Schwärmen vorbei, scheinbar unbeeindruckt von der Welt darüber. Weiter geht es entlang des Ufers, vorbei an liebevoll gestalteten Rastplätzen. Immer wieder laden Bänke dazu ein, den Blick schweifen zu lassen – über das Wasser, zu den umliegenden Bergen, die sich sanft im Hintergrund erheben. Die Perspektiven wechseln ständig, und doch bleibt das Gefühl von Ruhe konstant.

 

Was den Slow Trail besonders macht, ist nicht nur die Landschaft, sondern die Art, wie man sie erlebt. Es gibt keine Eile, keinen Druck. Selbst die wenigen anderen Wandernden begegnen einem mit einer stillen Übereinkunft: Hier draußen zählt nicht die Geschwindigkeit, sondern der Moment.

 

Als die Sonne höher steigt, verändert sich das Licht. Der See wird heller, lebendiger, fast ein wenig verspielt. Kinderlachen ist nun von weiter weg zu hören, ein leises Zeichen dafür, dass der Tag in Fahrt kommt. Doch auf dem Trail bleibt es ruhig – wie eine kleine Parallelwelt, die sich dem Tempo des Alltags entzieht.

 

 

Am Ende des Weges bleibt ein Gefühl von Leichtigkeit. Der Slow Trail am Pressegger See ist keine spektakuläre Herausforderung, kein Ort für Rekorde oder Selfie-Hotspots. Er ist etwas anderes: eine Einladung, langsamer zu werden. Und vielleicht genau deshalb so besonders.

 

Slow Trail Pressegger See:

 

Länge: 5,8 km

Dauer: ca. 1,25 h

4 Ruheplätze

Vier Ruheplätze laden am Slow Trail Pressegger See zum Entspannen ein
Vier Ruheplätze laden am Slow Trail Pressegger See zum Entspannen ein

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Winfried Hille: Slow. Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben

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