"Wir können uns unsere Winter nicht aussuchen. Aber wie wir überwintern, schon", schreibt Katherine May in ihrem Buch "Überwintern". Was sie damit sagen möchte: Es gibt Zeiten, die kommen über uns wie Frost. Sie legen sich auf unsere Tage, verlangsamen unsere Schritte, machen das Atmen schwerer. Wir haben sie nicht eingeladen, und doch sind sie da. Ich habe gelernt: Wir können sie nicht vertreiben. Wir können sie nicht überspringen. Aber wir können entscheiden, wie wir bleiben, während sie da sind.
Im Winter lernen wir, dass Fürsorge eine Form von Stärke ist. Dass Rückzug kein Aufgeben bedeutet, sondern Lauschen. Wir lernen, die offenen Fragen liegen zu lassen, ohne sie sofort schließen zu müssen, und uns zu halten, wenn nichts vorangeht.
Und vielleicht liegt unsere Freiheit genau hier: nicht darin, den Winter zu vermeiden, sondern darin, ihn gemeinsam zu tragen. Mit Wärme, wo sie möglich ist. Mit Geduld, wo nichts wächst. Und mit dem stillen Wissen, dass auch diese Zeit Teil unseres Weges ist - nicht als Umweg, sondern als Tiefe.
Lesestoff*:
Katherine May: Überwintern. Wenn das Leben innehält.
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