Momente: Natur <er>leben

Wenn ich draußen in der Natur bin, merke ich manchmal erst nach einer Weile, wie sehr ich mich innerlich verändere. Nicht plötzlich, eher leise, fast unbemerkt. Als würde etwas in mir aufhören, sich festhalten zu wollen.

Die Erde ist dabei das Erste, was ich wirklich spüre. Nicht als Symbol, sondern ganz konkret: der Boden unter den Füßen, unaufgeregt, tragend, ohne Fragen. Sie erinnert mich daran, dass Stabilität nichts Lautes ist. Dass alles, was wächst, Zeit braucht und trotzdem nicht eilt. In ihrer Ruhe verliert mein eigenes inneres Getriebensein ein Stück seiner Schärfe.

 

Dann ist da das Wasser — in Bächen, in feuchtem Moos, manchmal auch nur in der Luft, die nach Regen riecht. Wasser wirkt auf mich wie eine Art ehrliche Bewegung. Es hält nichts fest, und genau deshalb bleibt es in Verbindung. Es geht seinen Weg, nimmt Formen an, ohne sich zu verlieren. Wenn ich es beobachte, frage ich mich manchmal, warum ich selbst so oft versuche, Dinge zu kontrollieren, die eigentlich fließen wollen.

Die Luft ist schwerer zu greifen, aber vielleicht gerade deshalb so präsent. Ein Windstoß, der plötzlich durch die Bäume geht, oder diese stillen, klaren Momente, in denen alles weit wird. Luft erinnert mich daran, dass ich nicht abgeschlossen bin. Dass zwischen mir und der Welt kein wirklicher Rand ist, sondern nur Übergänge, die ich oft zu eng denke.

 

Und dann das Feuer — manchmal nur als Licht, das durch Blätter fällt, manchmal als Wärme auf der Haut, manchmal als dieses innere Glühen, wenn etwas in mir kurz klar wird. Feuer fühlt sich für mich an wie Bewusstsein selbst: wach, lebendig, aber auch vergänglich. Es zeigt mir, dass Präsenz kein Zustand ist, den man festhalten kann, sondern etwas, das immer wieder neu entsteht.

Wenn ich all das zusammen nehme, entsteht etwas, das ich schwer benennen kann. Vielleicht ist es einfach ein Erinnern. Daran, dass ich nicht außerhalb dieser Elemente stehe, sondern mitten in ihnen. Dass mein Atem Luft ist, mein Körper Erde trägt, mein Gefühl Wasser bewegt und mein Bewusstsein ein kleines, flackerndes Feuer in all dem ist.

 

Und vielleicht ist genau das Naturverbundenheit: nicht etwas, das man sucht, sondern etwas, das man wieder zulässt.

Vielen Dank an die Fotografin Andrea Sickl, die diese Gedanken fotografisch festgehalten hat und für ihr besonderes Gespür für Licht, Stille und Momentaufnahmen.